Keimlinge von Tomaten in Papprollen
Garten

Gemüse vorziehen: Für knackig gesunde Leckereien

Der März läutet bei uns die erste wichtige Phase im Gartenjahr ein: das Vorziehen von Gemüse. Wer, wie wir, in einer Region mit spätem Frühjahr lebt, kann damit seine Erntezeit verlängern. Zum Keimen und Wachsen benötigen viele Sorten zunächst konstante Wärme und Feuchtigkeit. Solche Bedingungen herrschen hier im Norden erst, wenn überhaupt, im späten Frühjahr. Viele Gemüse- und Salatpflanzen haben dann nicht mehr genug Zeit zum Wachsen. Und selbst, wenn die Zeit noch reicht, kann man erst sehr spät ernten. Außerdem sind vorgezogene Pflanzen auch robust genug, um erste Trockenphasen zu überstehen. Und bei uns ist das Frühjahr meistens trocken. Keimlinge haben’s da schwer.

Damit Eure vorgezogenen Gemüsepflanzen kräftig werden, solltet Ihr einige Dinge beachten. Ich habe hier für Euch die wichtigsten Tipps aus meinen Erfahrungen zusammengetragen.

Keimlinge in Eierschachtel im Gegenlicht
Hier recken Keimlinge von Salat und Kohl ihre Köpfchen ins Licht.

Bloß nicht zu früh!

Für mich ist Geduld ein entscheidender Punkt beim Vorziehen von Gemüse. Geduld ist angebracht, wenn Ihr überlegt, wann Ihr Euer Gemüse vorzieht. Früher habe ich schon im Februar die ersten Samen in die Anzuchttöpfe gebracht. Das Ergebnis waren vergeilte Stängel, die umfielen und nicht lebensfähig waren. Schade um die Samen und die Arbeit! Schaut darum auf die Samentütchen, in Gartenbüchern oder im Internet bei zuverlässigen Quellen nach, wann der beste Zeitpunkt für welches Gemüse ist. Dann solltet Ihr allerdings noch bedenken, ob der Zeitpunkt auch zu Eurer Region passt. Wie gesagt, wir wohnen im Norden und haben nicht die gleichen Bedingungen wie jemand in Süddeutschland. Mein Tipp: Fragt mal Eure Gartennachbarn, wann die anfangen. Und sammelt einfach auch Eure eigenen Erfahrungen. Grundsätzlich macht Ihr sicher nichts falsch, wenn Ihr Mitte März anfangt. Zu den wenigen Gemüsesorten, die Ihr schon vor März vorziehen könnt, zählen übrigens Paprika und Chili. Die brauchen sehr viel Zeit zum Wachsen. Und auch mit Tomaten fange ich schon etwas früher an. Zum Keimen brauchen Tomaten und Paprika nicht so viel Licht, dafür aber viel Wärme (zirka 24 Grad) und Feuchtigkeit. Sind sie gekeimt, kann es ruhig etwas kühler werden. Dafür ist jetzt Licht wichtig.

Viel Licht

Licht ist ebenfalls entscheidend für eine erfolgreiche Anzucht. Darum sollten die Töpfe direkt am Fenster stehen. Einige Gartenblogger schwören auf spezielle Pflanzenlampen, weil das Licht, das durch die doppelt verglasten Fenster fällt, angeblich nicht ausreichen soll, oder besser gesagt: die Lichtwellen. In der Theorie kann das ja so sein. Die Praxis zeigt bei uns aber jedes Jahr aufs Neue: Offenbar kommen genug und die richtigen Lichtwellen an. Wir haben doppelt verglaste Fenster, und die Sämlinge wachsen wunderbar und werden kräftig. Es widerstrebt mir auch, den ganzen Tag lang Strom für etwas zu vergeuden, was ich frei Haus direkt vom Himmel bekomme. Etwas anderes ist es natürlich, wenn Ihr keinen Platz am Fenster habt. Dann mögen diese Lampen eine sinnvolle Alternative sein.

Keimfähiges Saatgut

Prüft, ob Euer Saatgut noch keimfähig ist. Unter diesem Link findet Ihr eine Tabelle mit der Keimfähigkeit der Samen gängiger Gemüsesorten. Beim Kauf von Saatgut solltet Ihr darauf achten, dass es samenfest ist. Nur dann könnt Ihr aus den Pflanzen oder Früchten wieder brauchbare Samen gewinnen. Beim hybriden Saatgut ist das nicht sicher. Eine gute Quelle für Saatgut sind neben Gartencentern, Baumärkten und speziellen Händlern auch die vielen Saatguttauschbörsen oder sogar -festivals. Dort findet Ihr auch ungewöhnliche und alte Sorten.

Nährstoffarmes Substrat

Zur Anzucht eignet sich am besten spezielle Anzuchterde oder Kokos-Substrat. Beides ist nährstoffarm und damit ideal für kräftige Sämlinge. Auf der Suche nach Nährstoffen bildet das Pflänzchen nämlich starke Wurzeln – perfekt für eine starke Pflanze. Greift bitte zu torffreier Anzuchterde. Mit dem Torfabbau werden nämlich Moore zerstört. Und die wachsen nur sehr langsam nach. Es dauert Jahrtausende, bis ein Moor gewachsen ist. Moore sind wichtige Lebensräume für vielfältige Arten. Und nicht zuletzt speichert der Torf darin Kohlendioxid. Beim Abbau wird es freigesetzt und schädigt das Klima.

Genug Feuchtigkeit

Wie schon gesagt, Feuchtigkeit ist sehr wichtig, damit die Samen keimen und auch für das Wachstum der Keimlinge. Nutzt am besten eine Sprühflasche zum Befeuchten. Ein harter Strahl aus der Gießkanne kann die Samen wegspülen und die Keimlinge umknicken. Tipp: Regelmäßiges Belüften von Zimmergewächshäusern verhindert Schimmelbefall.

Geeignete Gefäße

Zur Anzucht eignen sich die unterschiedlichsten Gefäße – vom Joghurtbecher über die Kunststoffrückseiten von Spielzeug-Weihnachtskalendern bis hin zu ausrangierten Tassen. Ich hebe grundsätzlich Trays von Jungpflanzen aus dem Baumarkt auf und verwende sie, bis sie auseinander fallen. Ihr könnt auch ganz klassische Terrakotta-Töpfe oder Kunststofftöpfe von Euren letzten Zimmerpflanzenkäufen verwenden. Einige Gärtner ziehen auch in den Papprollen von Toilettenpapier vor, in Eierschachteln, oder sie drehen sich aus Zeitungspapier kleine Töpfchen. Ich selbst habe mit Papier keine guten Erfahrungen gesammelt. Die Eierpackungen waren mir zu klein, aber sonst ging es einigermaßen. Die Pappen vom Toilettenpapier fingen aber nach kurzer Zeit zu schimmeln an. Und das ging gar nicht. Gerade für Tomaten und Paprika ist wegen der Feuchtigkeit ein kleines Gewächshaus, selbst bei Anzucht auf dem Fensterbrett, empfehlenswert. Ihr müsst aber nicht extra ein Gewächshaus kaufen. Ich habe beispielsweise einfach eine transparente Tüte über den Tray gezogen. Wenn die Keimlinge aus der Erde schauen, könnt Ihr die Abdeckung entfernen.

Welches Gemüse?

Ihr müsst nicht jedes Gemüse vorziehen. Tomaten und Paprika dürften aus oben genannten Gründen kaum in die Gänge kommen, wenn Ihr sie im Mai direkt ins Beet sät. Da ist das Vorziehen also quasi Pflicht. Auch bei Salat, Kohl, Kürbis, Lauch, Gurken, Melonen oder Zucchini lohnt sich die Voranzucht. Möhren, Radieschen, Rote Bete und anderes Wurzelgemüse sowie Mangold säen wir immer direkt ins Beet. Wegen der geringen Keim- und Wachstumszeit muss man Bohnen und Erbsen eigentlich nicht vorziehen. Aber seit einigen Jahren wächst bei uns aus nur einem von zirka zehn Bohnennestern im Freiland eine Pflanze. Bei den Erbsen ist es ähnlich. Wir wissen nicht, woran das liegt, hören das aber von immer mehr Gärtnern. Einige meinen, das Saatgut würde nichts mehr taugen. Wir hatten aber samenfestes Saatgut von Dreschflegel. Da vertraue ich schon auf die Qualität. Andere schieben es auf die Tauben oder die Wühlmäuse. Und das, denke ich, trifft auch auf unseren Garten zu. Langer Rede kurzer Sinn: Wir ziehen darum auch Bohnen und Erbsen vor. Und das klappt sehr gut.

Ich hoffe, meine Tipps helfen Euch und Eure Anzucht gelingt. Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen.

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